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Ein zweites Buch sucht mittlerweile seinen Verlag im deutschsprachigen Raum. Es handelt sich um den ersten Band mit dem Titel „Fuga” der geplanten Trilogie „Wielkie nieba!” von Wanda Michalak, ein Buch von hohem literarischem Anspruch mit einer christlich-humanistischen Mission. Die Autorin erzählt darin in allegorischen und daher zeitlosen - oder eher „überzeitlichen” - Bildern und Szenen die Geschichte menschlicher Gewalt, Angst und Konflikte. Wie in der Komposition einer Fuge üblich, belässt sie es jedoch nicht bei der Beschreibung der sich wie ein roter Faden durch die Entwicklung des Menschen ziehenden großen und kleinen Kriege und Fluchten, sondern setzt als immer wiederkehrende Kontrasubjekte Hoffnung, Glaube und vor allem Liebe dagegen. Sowohl in den Kriegen und Vertreibungen der älteren Vergangenheit als auch in den Konzentrationslagern der jüngeren Geschichte erlebten Menschen neben brutaler Gewalt und Hoffnungslosigkeit auch Güte, Hingabe und wahre Liebe: „Wunder, die nur der Glaube vollbringen kann”. Der futuristische Schluss des ersten Bandes der Trilogie (die Bände „Aria” und „Harmonia” werden folgen) lässt offen, in welche Richtung sich der ewige menschliche Kampf entwickeln wird. Er weckt jedoch die Hoffnung, dass mit der Erkenntnis vergangener Fehler, mit Verständnis und Einsicht die Liebe schließlich die Oberhand gewinnen kann. Als ich das Buch zum ersten Mal las, hat es mich sehr berührt, ja aufgewühlt. Wanda Michalak verfügt über die wunderbare Gabe, mit äußerst lapidarer Sprache eine immense emotionale Dichte zu erzeugen, die den Leser mitleiden lässt und sicherlich in so manchem den Vorsatz weckt, sich intensiver als bisher für die Beendigung dieses Leides engagieren zu wollen. Das Buch ist 2004 beim polnischen Literaturverlag WYDAWNICTWO OPUS erschienen. Es enthält viele künstlerische Illustrationen von Jan Michalak und umfasst einschließlich Inhaltsverzeichnis 167 Seiten. Wanda Michalak hat mich beauftragt, ihr Buch einem deutschsprachigen Verlag anzubieten und im Falle einer Veröffentlichung die Übersetzung ins Deutsche zu übernehmen. Zur Entstehung und Absicht des Buches sowie zur Wahl der Leseprobe lasse ich die Autorin hier selbst zu Wort kommen: Mein Roman „Wielkie nieba!”, gewidmet Johannes Paul II., „...dem Philosophen, der die Welt verändert hat”[*], erzählt von Gewalt und Knechtschaft, doch ebenso von den bewährten Methoden, „die Ketten abzuwerfen”, namentlich Liebe, Barmherzigkeit und Kunst. Dies sind zuverlässige Werkzeuge, auch wenn wir uns dessen nicht immer bewusst sind. Geboren wurde ich in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Polen in einer Familie mit Wurzeln im Westen und im Osten, die Opfer sowohl der Naziherrschaft als auch des Kommunismus wurde. Beim Nachdenken über meine persönliche Geschichte sowie die meiner Heimat und unseres Kontinents habe ich versucht, die Quellen beider totalitärer Regimes zu benennen und zu beschreiben, aber auch die Bedeutung der Geistigkeit in der Geschichte Europas herauszuarbeiten. Die Idee schien tollkühn, doch das Bedürfnis nach Ausdruck war ungewöhnlich drängend, denn in Europa begann die immer noch anhaltende Diskussion um die Invocatio Dei in unserer gemeinsamen Verfassung. Die Antwort auf die Frage, ob solch eine literarische Analyse und Interpretation der Welt überhaupt möglich ist, gibt mit genau dieser untypischen und keiner anderen Konstruktion und Komposition mein Roman selbst. Der Untertitel „Fuge” verweist auf den polyphonen Aufbau des Textes und spielt gleichzeitig auf das Hauptmotiv an, denn der lateinische Begriff fuga bedeutet „Flucht”. Darüber hinaus taucht im Buch das Motiv des Spiegels auf, denn Realität - und Buch! - sind letztlich nichts anderes als ein zebrochener Spiegel. Es ist möglich, den Bruchteilen ihre ursprüngliche Ordnung zurückzugeben. Das dazu notwendige Verschieben, Auswählen und Akzentuieren der wichtigsten unter ihnen kann zum Verständnis des gesamten Systems verhelfen und Richtungen zu dessen Veränderung weisen. Ich gehe davon aus und glaube fest daran, dass eine literarisch geordnete Welt, konfrontiert mit den klassischen Fragen unde malum? und unde bonum?, der Interpretation zugänglich ist. Ein weiteres wesentliches Motiv des Buches ist das Auge: das allgegenwärtige Sinnesorgan, das alles so registriert, wie es ist, ohne Kommentar und ohne die Suggestion des Narrators. Der Text enthält weder Familien- noch Ortsnamen, was seiner Universalisierung und Synthese dient. Es geht mir nämlich weder um Anklagen oder Abrechnungen noch um die Darstellung konkreter Ereignisse; immer jedoch geht es mir um den Menschen in all seiner Würde. Meinen Glauben an die Möglichkeit einer geistigen und künstlerischen Beherrschung des Chaos beweisen die Folgebände der Trilogie, Wielkie nieba! Aria und Wielkie nieba! Harmonia (in Vorbereitung). „Aria” erzählt vom Sterben des Menschen, betrachtet aus individueller, ganz persönlicher Perspektive, was erst kürzlich seine bestürzende Resonanz in der Realität gefunden hat, nämlich im Tod Johannes Pauls II. Das Kapitel COLUMBARIUM präsentiert sowohl die schöpferische Methode als auch die zu Grunde liegende Denkweise. Columbarium heißt wörtlich „Taubenschlag”, bezeichnet aber auch ein Gebäude zur Unterbringung von Urnen mit menschlicher Asche. Kann solch einem obskuren Ort eine lebendige Taube entfliegen? Ist ein Weiterleben nach den Todeslagern, nach dem Balkankrieg, nach dem 11. September oder nach dem Sudan möglich? Die Antwort, enthalten bereits im ersten Band der Trilogie, Wielkie nieba! Fuga, lautet: JA! Von einem Wandel der Ansichten über die Moderne und die Art und Weise, Gewalt zu bekämpfen, zeugen Schriften wie der Aufsatz Eine Zeit des Übergangs von Professor Jürgen Habermas aus Frankfurt. Der Philosoph, der sich als „methodischer Atheist” bezeichnet, behauptet unter anderem: „Eine deutlichere Anerkennung unserer jüdisch-christlichen Wurzeln dient nicht nur der kulturellen Verständigung, sondern macht eine solche überhaupt erst möglich”. (nach Sandro Magister, L‘Espresso, 22. Oktober 2004) Das als Leseprobe beigefügte Romanfragment drückt eine solche Hoffnung aus, die umso ermutigender ist, je schlimmer die Vorfahren der Person, die sie herausarbeiten will, verletzt wurden. * Karol Wojtylas Habilitationsarbeit war dem Werk Max Schelers gewidmet. [^] Wanda Michalak
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